Tag der Luxemburger Sprache Moien! Warum Luxemburgisch gefragter ist denn je
Luxemburg · Moien an äddi! Luxemburgisch zu sprechen, ist in Mode und gefragter denn je. Warum braucht es dann einen eigenen Gedenktag am 26. September? Und wer lernt heute die Sprache?
Luxemburgisch lernen mit den passenden Socken: Die Sprache unserer Nachbarn ist seit Jahren gefragt – und die Kurse dementsprechend ausgebucht.
Foto: Sabine Schwadorf
Kaweechelchen, Deckelsmouk, Gromperekichelchen, Schaarschtechbotzesch, Seejomes: Wenn Sie jetzt nur „Bahnhof“ verstehen, ist das durchaus gewollt. Es sind diejenigen luxemburgischen Begriffe, mit denen das Kultusministerium im Großherzogtum auf den „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“, also den Tag der Luxemburger Sprache am 26. September hinweist.
Fakt ist: Es sind wohl einige der lautmalerischsten Wörter, die man im Luxemburgischen finden kann und damit gerade bei Luxemburgisch-Lernenden für gleich viel Erstaunen wie Gelächter und Entsetzen sorgen kann. Doch wie steht’s eigentlich um das Lernen der Nachbarsprache?
Luxemburgisch stößt auf immer größeres Interesse
„Seit Jahrzehnten“ wird an der Volkshochschule Trier Luxemburgisch unterrichtet und ihre Leiterin, Manuela Zeilinger-Trier, freut sich, dass auch im aktuellen Semester sechs Luxemburgisch-Kurse mit 58 Teilnehmenden voll besetzt sind. „Das ist deshalb nicht so selbstverständlich, da es sich beim Luxemburgischen trotz unserer Nachbarschaft nicht um eine gängige Sprache wie Englisch, Französisch oder Spanisch handelt, die man systematisch in einem Kurs lernt“, sagt sie. Da rangiere die Sprache eher wie das Ungarische mit einem Schwerpunkt auf Anfänger-Kursen.
Der einzige Luxemburgisch-Lehrer der Trierer VHS freut sich „darüber, dass Luxemburgisch auf so viel Interesse stößt und damit überlebt“, sagt Henri Muller. Seit mehr als 20 Jahren unterrichtet er seine Muttersprache, die mit dem Internet, dem E-Mail-Verkehr und Social Media noch mal mehr Fans und Lernende gewonnen hat: „Seitdem befassen sich auch die Luxemburger selbst mit ihrer Sprache und der Rechtschreibung“, sagt der 64-Jährige. Denn davor sei das Luxemburgische vielfach eher eine gesprochene Sprache gewesen.
Wir haben uns in Mullers Anfängerkurs A1 an der VHS Trier umgeschaut. Stepanka Bartakova wurde von einer Kollegin auf die Luxemburgisch-Kurse aufmerksam gemacht: „Sprachen lerne ich eigentlich nicht so gut in der Schule oder in einem Kurs, sondern bei der Arbeit. Wenn ich aber in Luxemburg eine Stelle finde, dann hilft es sicher, wenn ich schon etwas kann“, sagt die 47-Jährige.
Das Eichhörnchen heißt auf Luxemburgisch Kaweechelchen und macht – KI-generiert – Werbung für den Tag der Luxemburger Sprache.
Foto: Ministère de la Culture de Luxembourg/Néon Internet
Als medizinische Fachangestellte gehört die gebürtige Tschechin zur klassischen Klientel von Lehrer Muller. „In der Krankenpflege, Altenpflege und Erziehung ist Luxemburgisch essenziell“, sagt er. Und so berichten andere Kursteilnehmende davon, dass sie innerhalb einer bestimmten Zeit ein Mittelstufen-Diplom auf B2-Niveau in Luxemburgisch abschließen müssen – ähnlich der Zugangsvoraussetzungen von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Ausbildung und Anstellung.
Sprachen lernen – vom Einsatz im Beruf bis hin zum Liebesbeweis
Da ist der Erzieher, der sich von einem Job in Luxemburg nicht nur einen höheren Lohn, sondern auch mehr Wertschätzung verspricht. Ein Altenpfleger muss laut seinem Arbeitsvertrag einen Luxemburgisch-Nachweis auf Mittel-Niveau führen. Da ist aber auch die Mutter, die seit elf Jahren in Luxemburg lebt und deren Tochter nun mit dem Lernen der Landessprache begonnen hat.
Und nicht zuletzt der Mann aus Saarburg, der sich in eine Luxemburgerin verliebt hat und sich nun bei Familienfeiern, Festen und Bräuchen integrieren und mitreden können möchte. „Wir hatten aber schon alles – vom Luxair-Piloten bis zum CEO eines mittelständischen Unternehmens“, sagt Henri Muller, der als Luxemburger mit Wohnort Trier zum Lehrer wurde.
Warum erhält die Sprache in Luxemburg einen Gedenktag?
Dass Luxemburgisch einen eigenen Gedenktag erhält, ist jedoch neu: Erst 2025 eingeführt, ist er Teil eines speziellen Aktionsplans der Regierung. Zwar ist die Luxemburger Sprache bereits seit 42 Jahren als Nationalsprache neben dem Französischen und dem Deutschen anerkannt. Und immerhin nutzen 75 Prozent der Menschen im Großherzogtum Luxemburgisch. Doch das Luxemburgische ist nur noch bei 49 Prozent der Bevölkerung Luxemburgs die am häufigsten gesprochene Sprache.
Für Lehrer Henri Muller „braucht es deshalb solche Initiativen wie den Tag der luxemburgischen Sprache, um diese zu stärken“. Mit der Anerkennung als Nationalsprache sei schließlich eine Demokratisierung einhergegangen. „Die frühere einzige Amtssprache Französisch war die Sprache der oberen Schichten, während die arbeitende Bevölkerung darin wenig mächtig war. Jetzt verliert wiederum das Französische an Dominanz gegenüber dem Englischen wegen der Internationalisierung der Bevölkerung“, sagt er.
Das Sprachenbabel Luxemburg mit seiner Mehrsprachigkeit ist demnach ständig in Bewegung – mit der Konstante Luxemburgisch. Auch im Großherzogtum sind die Sprachkurse gefragt: Im Nationalen Spracheninstitut Luxemburg (INLL) waren Luxemburgisch-Kurse zum Schuljahresbeginn innerhalb weniger Minuten ausgebucht. Das dürfte Kultusminister Eric Thill freuen, will er den Tag doch nutzen, die Sprache nicht nur zum Thema zu machen, sondern sie im Alltag zu leben. „Eine Sprache lebt nur, wenn Menschen sie sprechen“, sagt er.
Was ist ein Deckelsmouk?
Mehr als 60 Veranstaltungen – vom Crashkurs bis zu Spaziergängen – laden die Menschen des Landes am Samstag, 26. September, ein, mehr Luxemburgisch zu sprechen. Und so greift die Kampagne des Ministers gerade diejenigen luxemburgischen Begriffe auf, die auch den Lernenden von Henri Muller bei der Aussprache und Schreibweise den Schweiß auf die Stirn treiben.
Um niemanden demnach im Unklaren zu lassen: Kaweechelchen steht für das diesjährige Maskottchen, das Eichhörnchen; Deckelsmouk heißt Schildkröte; Gromperekichelchen sind zu deutsch Reibekuchen oder Kartoffelpfannkuchen; die Schaarschtechbotzesch ist eine Schornsteinfegerin und die Seejomes ist eine Ameise.



